Sie sind in aller Munde, weil sie vieles vereinfachen sollen: baumlose Sättel. Aber sind sie wirklich eine echte Alternative zum „normalen“ Sattel, oder sollte man besser die Finger von ihnen lassen? Mein Pferd nimmt sie genauer unter die Lupe
Text: Jessica Classen; Foto: Christiane Slawik
Einfach in den nächsten Reitladen gehen und sich einen Sattel kaufen, mit nach Hause nehmen und auch sofort nutzen können – so wie man eben auch Satteldecken, Bandagen oder andere Sachen für das Pferd „einfach so“ kauft –, diesen Wunsch haben viele. Doch wie ist das ohne eine Anpassung möglich? Mit baumlosen Sätteln! Denn diese ermöglichen genau dies: In einen Reitladen gehen, einen Sattel aussuchen und ohne Anpassung mit nach Hause nehmen. Und dabei sollen sie auch noch sehr bequem sein und sich für längere Ritte eignen.
Was ist ein baumloser Sattel?
Ein baumloser Sattel ist ein flexibler Sattel, der dem Pferd einen großen Bewegungsspielraum im Schulterbereich ermöglichen soll. Der Reiter sitzt dadurch näher am Pferd und fühlt so eine größere Verbundenheit. Zudem kann ein baumloser Sattel im Gegensatz zu einem gängigen Pferdesattel anders auf dem Pferderücken platziert werden. Er ist von Haus aus sehr anpassungsfähig, kann aber durch verschiedenste Systeme individuell verändert werden. Ein baumloser Sattel sitzt nah am Widerrist, wodurch er die gewünschte Schulter- und Bewegungsfreiheit ermöglicht.
Aufgrund seiner Individualität kann ein baumloser Sattel auch genauso gut an das individuelle Training angepasst werden: durch auswechselbare Einsätze oder verschiedene Unterlagen werden die Bedürfnisse von Pferd und Reiter gleichermaßen bedient – egal, ob ich nun Dressur auf dem Platz reite oder ins Gelände gehen möchte. Ein baumloser Sattel passt bei fast allen Gelegenheiten.
Bevor es allerdings zum Training gehen kann, muss ich auf den baumlosen Sattel heraufkommen: dies geschieht am besten mit einer Aufstieghilfe. Dadurch, dass der Sattel so nah am Widerrist liegt, ist es für das Pferd unangenehm, wenn der Reiter ohne Hilfe aufsteigen möchte; denn er würde so den dortigen Wirbelabschnitt belasten. Deshalb ist eine Aufstieghilfe in Form eines Hockers oder einer Bank bei baumlosen Sätteln unerlässlich. Nach dem Training ist es dafür ebenso unerlässlich, dass ich den Sattel immer aufhänge, damit sich keine Falten bilden.
Ein solcher Sattel sollte aufgrund seiner Beschaffenheit direkt richtig auf dem Pferderücken sitzen. Kleinere Änderungen können zu jeder Zeit nachträglich hinzugefügt werden und können so für noch mehr Komfort sorgen – beispielsweise kann die Sitzfläche durch weitere Polster individuell dicker oder dünner werden oder Pauschen angeklettet werden. Die Länge des Sattels ist dabei nicht wichtig – sie richtet sich nach der Größe des Pferdes und nach der Größe des Reiters. Meist reicht es, wenn dieser seine Hosengröße angibt, damit der Hersteller den passenden Sattel zuschicken kann.
Welche Vor- und Nachteile baumlose Sättel haben, wie Sie sie am besten pflegen können und welche Sättel wir testen, lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe Mein Pferd 04/2017!